Albert Hammond. “Ach der, mit der Orgel?!” ist einer der ältesten Gags unter meinen Musikfreunden. Seit gestern weiß ich definitiv, nein, er ist der Songschreiber mit den meisten Hits. Über zwei Stunden lang hat er sie selbst gespielt. Mit einer abgeschrummelten Gitarre, die so alt aussah wie er ist – 71 nämlich. Aber er, der nette Weltstar, der von der Bühne herunter strahlt und in die leuchtenden Augen seines Publikums schaut. Er spielt den 200 Besuchern an diesem Abend den fast kompletten Soundtrack ihrer Jugend vor. Lieblingssong um Lieblingssong. Es ist ein bisschen wie beim Coversänger auf dem Stadtfest, der mit kleiner unbedeutender Band die größten Hits der 60er, 70er, 80er draufhat.

Bei Hammond ist es dennoch entscheidend anders. Er hat diese Melodien alle selbst komponiert. Als Musikfan und berufsmäßiger Hit-Dudler weiß ich um den Werkkatalog von Mister Hammond. Und doch frage ich mich nach dem Konzert, ob er nicht D E R Hitschreiber schlechthin ist. Mir fällt immer noch niemand ein, der in sovielen Genres und in einer solchen Interpretendichte aktiv war. Ob Rock, Country, Popschlager oder Soul. Joe Cocker, Starship, Leo Sayer, die Hollies, Diana Ross, Joe Dolan, Johnny Cash, Roy Orbison, Whitney Houston und viele mehr. Dazu seine eigenen Knaller von ‘I’m a train’, ‘it never rains in southern california’, ‘down by the river’, und und und.

Und wie ist er so? Der Typ, der über Jahrzehnte die Ohrwürmer nur so aus dem Ärmel geschüttelt hat? So nett, nahbar und natürlich, wie es die ganz großen Künstler meistens sind. Unkompliziert, fröhlich und dankbar, dass er Musik machen kann, und das auch noch mit über 70. Über Tantiemen lacht er, gezählt hat er seine Kohle nie, es war wohl immer genug da, grinst er bescheiden. Auf Songbooktour, die ihn jetzt ins Radiostudio geführt hat und im November nach Neunkirchen, ist er aus Spaß. Geld verdient er damit nicht. In Rente gehen würde für ihn Sterben bedeuten. Was man liebt, muss man immer weiter betreiben, so lautet sein Credo. Die heilende Kraft von Musik spüre er jeden Abend. Lieder hielten ihn jung und sein Publikum. Aber so drahtig und fit für eine zwei Stunden One-Man-Show, textsicher ohne Teleprompoter auch mit den Songs für die Kollegen? Nur durch Singen und Gitarre spielen? Es funktioniert offenbar wirklich. Auch in meinen jugendlichen 80ern hat Hammond komponiert. ‘One moment in time’ ist auch oder gerade ohne Soulröhre Whitney eine bewegende Ballade, die ins Herz trifft. Hammonds trauriges Liebeslied ‘When I’m gone’ hatte ich bestimmt 30 Jahre nicht mehr gehört. Damals war es liebeskummergeplagt für mich Seelenbalsam im Teeniezimmer. An den Namen des Mädels kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Melodie weckt sofort tiefe Erinnerungen – ja, sowas kann Musik.

Und hier das Interview

https://christianjob.wordpress.com/2015/06/20/albert-hammond-legendare-live-musikbox/

Einen Fitnesstipp habe ich backstage noch beobachtet. Albert Hammond schnibbelt rohen Ingwer und knabbert die scharfen Stückchen. Hilft bestimmt auch!